Weisse Serie

Die Skulpturen von Ursel Arndt haben eine ungewöhnliche materielle Herkunft: Nadel und Faden. Mit diesen filigranen Mitteln schafft sie textile Häute. Das ist prinzipiell nicht neu. Auf diese Weise wird auch Kleidung gemacht, unsere zweite Haut. Aber diese Figuren haben keine zweite Haut. Sie bestehen nur aus Haut, erster Haut. Und das ist neu.
Diese sensiblen Gebilde scheinen so gar nicht in die Welt der Skulpturen zu passen. Das betrifft aber nur das ungewohnt Materielle. Die Formen dagegen sind wohl skulptureller Art: es sind offensichtlich Körper – Figuren – Skulpturen – auch wenn sie nur aus Haut bestehen. Die Empfindung des eigenen Körpers ergänzt das Innenleben. Man steigt in sie ein. Man empfindet sie nicht nur von außen, sondern auch von innen. Man fühlt die Sensibilität und sogar die Vergänglichkeit ihrer Haut, die mancherorts aufgerissen ist, als sei sie einem Körper abgezogen worden.
Die Skulpturen von Ursel Arndt haben eine ungewöhnliche materielle Herkunft: Nadel und Faden. Mit diesen filigranen Mitteln schafft sie textile Häute. Das ist prinzipiell nicht neu. Auf diese Weise wird auch Kleidung gemacht, unsere zweite Haut. Aber diese Figuren haben keine zweite Haut. Sie bestehen nur aus Haut, erster Haut. Und das ist neu.
Diese sensiblen Gebilde scheinen so gar nicht in die Welt der Skulpturen zu passen. Das betrifft aber nur das ungewohnt Materielle. Die Formen dagegen sind wohl skulptureller Art: es sind offensichtlich Körper – Figuren – Skulpturen – auch wenn sie nur aus Haut bestehen. Die Empfindung des eigenen Körpers ergänzt das Innenleben. Man steigt in sie ein. Man empfindet sie nicht nur von außen, sondern auch von innen. Man fühlt die Sensibilität und sogar die Vergänglichkeit ihrer Haut, die mancherorts aufgerissen ist, als sei sie einem Körper abgezogen worden.
Die Formensprache von Ursel Arndt ist sehr persönlich. Sie arbeitet nicht nach Modell. Sie steckt selbst in ihren Figuren. Besonders deutlich wird dies an der Installation „In den Fäden gefangen”, wo sich der Kreis zwischen textiler Figur und Textiles machender Figur schließt. Diese Eigennähe erzeugt eine hohe Spannung. Der Grat zum Lebendigen ist sehr dünn – eben nur eine Haut.
Wenn Ursel Arndt sich mit anderen künstlerischen Arbeiten etwa der Malerei oder Bildhauerei beschäftigt, transformiert sie ihren Eindruck in das ihr eigene Medium. Eine Skizze nach einem Ausstellungsbesuch ist bei ihr textiler Art. Dabei fängt sie wesentliches der Gestaltung des anderen Künstlers erkennbar ein. Einfühlung in das fremde Werk und Aneignung an ihre Eigenart verbinden sich dabei zu überraschenden Ergebnissen.
Im Zusammenhang mit dem Kulturprogramm 2004 des Landes Rheinland-Pfalz zeigt Ursel Arndt in ihrer Ausstellung in Zweibrücken eine Figur aus gespannten Fäden, die sich an einer italienischen Renaissance-Skulptur orientiert. Sie hat sich in die Büste einer jungen Frau des florentiner Bildhauers Ferrucci eingesehen. Die Marmorskulptur erlebt sie von innen her, als Volumen. Ihre Interpretation ist das Heranwachsen an das Volumen von innen nach außen – mit ihrem Material, mit Fäden. Die Sensibilität des textilen Arbeitsprozesses verbindet sich mit der Formkraft ihrer künstlerischen Aussage. Diese Kombination ist einmalig. Ich kenne keinen Vergleich.
Barbara Erdmann
(Prof. der HdK Berlin)








